Kolumnistin
Liebe Münchner Abendzeitung
„la dolce fare niente“, um das süße Nichtstun beneiden wir gerne die charmanten Italiener.
Einfach ein Eis essen gehen oder mit einer 17-jährigen Sex haben. Natürlich wusste der allerärmste Berlusconi nicht, dass er sich mit einer Minderjährigen amüsiert, und ganz sicher wollte er das Mädchen auch heiraten. Aber leider wurde oder wird ihm ihr eines fehlende Jahr zur Volljährigkeit vielleicht zum Verhängnis. Darüber werden jetzt drei Richterinnen entscheiden, was die Sache im katholischen Italien wieder ungewöhnlich spannend macht, wie einen oscar-verdächtigen Politthriller.
Nein, natürlich empfindet die halbe Welt das Techtelmechtel des Staatsoberhauptes mit der 17-jährigen als absolutes No-go, aber die viel interessantere Frage ist: was um Himmelswillen will dieses Mädchen von einem alternden, machtbesessenen, narzisstischen, dünnhaarigen Mann?
Die Frage ist so alt wie die Menschheit. Und warum verlässt der sich dann auch noch bescheuerterweise darauf, dass dieses noch in der Pubertät steckende Gör alle pikanten Details für sich behält? Schon mal was von bester Freundin gehört, facebook oder so?
Ich bin wirklich kein Moralapostel und ein großer Verfechter von: jeder tut, was ihm gefällt, aber in diesem Fall bin ich ganz schnell mit meinem Latein am Ende, und ich habe immerhin das große Latinum.
Da loben wir uns doch einen Minister, der für seine Doktorarbeit „nur“ abschreibt, oder? Oder doch nicht? Welchen Satz aus dem Lateinunterricht würden Sie wählen: "Quid leges sine moribus?"(Was sind Gesetze ohne Moral?) oder "Nam vitiis nemo sine nascitur." (Denn kein Mensch wird fehlerfrei geboren.)
Ich kann mir jetzt nur noch mit ene, mene, miste helfen.
März 2011
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Liebe Münchner Abendzeitung
es ist immer wieder erstaunlich, wer sich alles anmaßt, öffentlich zu urteilen und am besten noch mit direkten Schuldzuweisungen, ohne auch nur ansatzweise die Hintergründe zu kennen. Das haben wir nach dem „Wetten, dass...“ Unfall letzte Woche mal wieder gesehen.
Hat sich eigentlich irgendjemand aufgeregt, als im RTL Supertalent ein Mann live über einer laufenden Kreissäge hing? Nein, da ist ja nix passiert und das ist ja auch Privatfernsehen. Mal ganz ehrlich, die Wette von Samuel Koch war spannend, sie hätte mich als ZDF oder als Showmaster auch fasziniert und gereizt. Wenn dann auch noch ein so charmanter, junger Kerl wie Samuel sagt, das passt schon, hab ich schon so oft gemacht, und seine eigenen Eltern unterstützen ihn, wer von uns hätte der große Bedenkenträger und uncoole Spielverderber sein wollen, wo doch auch die Sicherheitsexperten ihr „ok“ gegeben haben?
Das Leben ist nicht planbar, egal, ob wir etwas riskieren wie Samuel oder auf Nummer sicher gehen, denn trotzdem kann uns der "berühmte Ziegel" auf den Kopf fallen.
Wer wäre ernsthaft auf den Gedanken gekommen, nach 29 Jahren quasi unfallfreier Unterhaltungsshow, könnte die Realität ausgerechnet bei „Wetten, dass...“ so brutal zuschlagen?
Thomas Gottschalk wird diesen Sonntag den Jahresrückblick nun doch moderieren, schweren Herzens. Er ist wie ein Reiter, der vom Pferd gestürzt ist, er MUSS wieder aufsteigen, um (sich) nicht zu verlieren.
Wir gehen sicher alle ein Stück demütiger in die Weihnachtfeiertage, mit den besten Wünschen für Samuel, seine Familie und für alle, die es hautnah miterleben mussten. Und wer weiß, vielleicht passiert ja an Weihnachten ein Wunder. Angeblich muss man nur fest daran glauben.
Dezember 2010
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Die WM-Kolumne in der Münchner Abendzeitung
Schland, oh Schland! Was ist mit Dir passiert?
Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt - diese WM hat uns gebeutelt wie sonst nur die Liebe. Im Freudentaumel, berauscht von diesen jungen, frechen Jungs des deutschen Nationalteams waren wir regelrecht verknallt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den trötenden Vuvuzelas, fasziniert von der Andersartigkeit Afrikas ließen wir uns mitreißen von dieser besonderen Stimmung im Land. Und es fing so gut an, es lief blendend wie es in der Liebe eben meistens so ist.
Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt der Entscheidung so wie gestern. Wir versuchen uns Mut zu machen, ja, das wird schon. Komm, wir packen das, wir arbeiten daran, wir versuchen alles. Der Moment der Ernüchterung holte uns dann spätestens in der 78. Minute aus dem Land der Träume - Tor für Spanien. Nein, wir haben es nicht gepackt. Trotzdem bin ich stolz auf unser Team! Ich bin stolz, wie es unser Land präsentiert hat. Jung, mutig, stark und nicht ganz perfekt - ziemlich menschlich. Wir fassen zusammen: manchmal läuft es gut, manchmal läuft es schlecht und damit zur wohl wichtigsten Erkenntnis aus Katjas Küchenpsychologie: so ist Fußball, so ist die Liebe und so ist das Leben. Noch Fragen?
Juli 2010